Eintrag #110 – 22.02.2016 – wenn sie wüssten.

Es gibt wenige Menschen, denen bisher meinen ganzen Charakterzüge anvertraut habe. Denen ich erzählt habe, was meine Schwachstellen sind und welche Probleme ich habe. Nicht einmal meinen Eltern erzähle ich alles. Momentan gibt es nur einen Menschen, der so viel über mich weiß, dass es für mich ziemlich ungemütlich werden könnte. Aber V glaubt mir einiges nicht. Gott sei dank. Wenn meine Studienkollegen wüssten, wie ich hinter meiner freundlichen Fassade aussehe… sie würde nicht mit mir reden, geschweige denn mit mir was zu tun haben wollen.

Aber meine Fassade hat in den letzten, stressigen Tagen gebröckelt und mich viel Energie gekostet. Es geht mir nicht gut. Meinen Eltern und Großeltern geht es nicht gut. Ich bin müde, fühle mich bissweilen überfordert mit Kleinigkeiten, weil ich einfach seit Ewigkeiten nicht mehr gut geschlafen habe. Mein nerviger Unikollege hat das mitbekommen. Und auch V hat mich darauf angesprochen. Ich habe beiden die Wahrheit gesagt. Wozu lügen, wenn die eine es sowieso schon weiß und der andere es früher oder später auch mitbekommen wird?

Meine Position im Studierendenhaufen ist ins Wanken geraten seit Vorlesungsschluss. Die älteren Studenten haben begonnen, sich gegenseitig einen kleinen Krieg darum zu liefern, aber noch stehe ich. Man wird in einer Tour mit Sticheleien und verbalen, subtilen Angriffen zu einem Konter gezwungen. Das alles ist unheimlich nervtötend und geht auf das Beherrschungsvermögen.

Zusätzlich zu alldem kommen noch die Klausuren. Lernen. Büffeln. Üben. Lernen. Von vorne. Mir gehen die Prüfungen so auf den Keks, dass ich bereits darüber nachgedacht habe, die Uni abzubrechen und mich auf meine Firma zu konzentrieren. Aber ich möchte nicht anfangen, halbe Sachen zu machen. Das Ding wird durchgezogen. Und DANN wird gearbeitet. Hoffe ich.

//eindenkender

Eintrag #109 – 13.02.16 – der ewige Lauf

Ich laufe und laufe und laufe. Nicht weg. Sondern von einem Termin zum nächsten, von einer Deadline zur nächsten, von A nach B. Ich komme nicht mehr zur Ruhe. Den recht knackigen Website-Auftrag, der mir vor zwei Wochen in die Bude geschneit ist und bis heute fertig werden musste, ist Gott sei dank erfolgreich beendet, der Kunde ist hoch zufrieden und hat direkt einen Folgeauftrag verkündet. Freut und stresst mich gleichermaßen.

Doch. Ich laufe auch weg. Vor diesem Traum, in dem ich mit drei anderen Menschen in einem Raum stehe und wir von jemandem bedroht werden, jedesmal wird jemand anderes erschossen. Ich habe den Traum regelmäßig und er raubt mir den letzten Nerv. Ich kann entscheiden, ob ich zwischen die anderen drei gehe und mich opfere, oder ob random einer von ihnen erschossen wird. Den Zustand, dass niemand stirbt, gibt es nicht. Und ich werde nie getroffen, gehe ich nicht dazwischen. Der Schütze bin ebenfalls ich. Ein zweites ich, sozusagen. Aber er sieht böse aus. Agressiv. Skrupellos und die Augen machen mir Angst.

Jedes mal, wenn ich dazwischen gehe und getroffen werde, spüre ich einen unerbittlichen Schmerz rechts, zwischen den Rippenbögen, der sich durch den Brustkorb zieht bis zum Schulterblatt. Es tut noch weh, wenn ich klatsch nass geschwitzt aufwache und macht es mir beinahe unmöglich, zu atmen. Ich schnappe dann nach Luft und japse, wie ein Etrinkender.

Ich habe Angst vor diesem anderen ich, das da schießt. Ich kenne es nicht. Nicht so agressiv, nicht so gefüllt mit Hass. Ich habe mit V darüber geredet und auch verschiedene Traumdeutungsseiten befragt (so weit ist es schon mit mir), aber im Endeffekt kann das alles auch alles und nichts bedeuten. Bullshit, wenn man mich fragt. Trotzdem ging es mir nach den Recherchen körperlich schlecht. Mir war übel, schwindelig, ich hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen.

Nächste Woche habe ich wieder eine Klausur und etliche Deadlines, ein Verhandlungsgespräch mit einem Geschäftspartner. Der Geburtstag meiner Mutter, Friseurtermin, ein Kundengespräch, und ein Vertragsabschluss fallen an einem Tag auf ein Zeitintervall von wenigen Stunden. Ich hoffe, ich habe den Nerv, das alles nach meinen Vorstellungen durchzuziehen.

Eintrag #108 – 02.02.2014 – werde ich verarscht?

Der Titel sagt alles. Der nervige Studeinkollege legt wirklich alles daran, die Freundschaft zwischen mir und V. zu zerstören. Ich würde V inzwischen fast als kleine Schwester bezeichnen. Nein, ich bezeichne sie so. Es ist für mich mehr als eine Freundschaft, aber keine Liebe. Etwas geschwisterliches.

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass er versucht, uns zu verarschen und gegenseitig auszuspielen. Er lügt mich an, erlügt sie an. Bei Dingen, von den V und ich wissen, wie die Wirklichkeit aussieht, weil wir es beide gleichzeitig so gesehen haben. Nach der Uni habe ich V noch ein Stück heimbegleitet und wir haben uns gut unterhalten. Es war sehr neblig, man hat kaum 5 Meter weit gesehen, als plötzlich der Typ vor uns stand. Er ist dann Wortlos den Längeren weg zur Brücke gelaufen als wir. Er stand dann auf der Brücke, als V und ich uns verabschiedeten. Sie mussten sich also noch einmal begegnen. Aber er sagt uns beiden, er wollte nicht mit ihr reden… der alternativweg, den er genommen hat, ist allerdings fast einen Halben Kilometer länger. Und er war früher am Ende, als wir. Er war gesundheitlich angeschlagen und stand bei fast 0 Grad etwa 12 Minuten in einer Frühlingsjacke im Nebel um dann einen längeren Weg zu nehmen und früher am Ende anzukommen. Er lügt.

Und er versucht, mich eifersüchtig zu machen. Er erzählt mir ausschweifend, wie nah er und V sich gekommen sind und geilt sich geradezu daran auf. Allerdings bin ich in dieser Angelegenheit völlig emotionslos, weshalb er es wohl noch penetranter erzählt und aufbauscht. Ich habe keinen Grund, eifersüchtig zu sein. Du hast deinen Korb kassiert. Und V und ich sind unser gegenseitiges Gewissen. Was den einen drückt, weiß der andere. Stimmt, ich war ihr körperlich nie nah, aber das war auch nie mein primäres Ziel. Und jetzt erst recht nicht mehr. Ich suchte jemanden, dem ich mich bedingungslos anvertrauen kann. Der sich mir anvertraut. Mit dem ich reden kann und der mit mir reden will. Diese Nähe ist mit ein bisschen Kuscheln u.ä. nicht gleichzusetzen. Das ist eine Nähe, bei der man beginnt, ohne Worte zu kommunizieren. Ein Blick genügt und alles ist gesagt, ein ganzer Tag ist erzählt.

Ich werde jeden seiner Schritte ab sofort genauestens beobachten. Don’t mess up with me!

Eintrag #107 – 29.01.2016 – Respekt

So dämlich es klingt, ich erwarte inzwischen von meinem Gegenüber einen gewissen Respekt. Mein Gegenüber soll sich nicht vor mir in den Dreck schmeißen, aber ein gewisses, höfliches Verhalten und Respekt vor mir als Person erwarte ich. Und es gibt Menschen, die ich eigentlich mag, die das aber nicht tun. Nicht im geringsten. Fragen werden von ihnen mit einem herablassend arroganten Ton beantwortet, unhöfliches Verhalten usw mir gegenüber wie etwa das Zücken des Handys während eines Gespräches tolleriere ich nicht.

Ich habe diese spezielle Person heute ganze fünf mal darauf hingewiesen. Wenn dieser Jemand es morgen wieder darauf ankommen lässt, entfällt er damit meiner Tolleranz. Ich werde mich nicht nach Menschen bücken, die sich absichtlich von der Gesellschaft ausschließen. Und ich bin der einzige, der Ihn aktiv in der Gruppe tolleriert bzw in die Gruppe integriert.

Diesen Mehraufwand kann ich nicht leisten, wenn er nicht will. Ich fürchte außerdem, dass es zwischen dieser genannten Person und meinem nervigen Studienkollegen eine handgreifliche Auseinandersetzung geben wird. Wenn dem so ist, werde ich dazwischen gehen. Und zwar ohne Samthandschuhe. Ich bin nicht länger bereit das Gehabe von den beiden mit anzugucken.

Wenn ich mir rückblickend ansehe, wie ich mich Charakterlich entwickelt habe, fällt mir nur ein Wort ein. Skrupellos. Ich weiß noch nicht, ob das gut oder schlecht ist, denn solange ich meine Prinzipien nicht breche, werde ich nichts unfaires oder ungerechtes tun. Aber Gott bewahre mich und meine Mitmenschen vor dem Tag, an dem ich auf Prinzipien pfeife.

Eintrag #106 – 25.01.2016 – was sich alles geändert hat

Ich möchte kurz berichten, was sich inzwischen alles geändert hat, teilwiese schon vor Wochen. Ich habe bisher nur noch nicht dran gedacht, es hier niederzuschreiben.

V und ich verstehen uns sehr gut. Wir sind sozusagen inzwischen ABFs, aber nicht mehr. Aus Gründen. Unteranderem habe ich erkannt, dass ich ihr gegenüber ein anderes Gefühl als „Verliebtheit“ empfunden habe. Eher ein Schutzinstinkt. Ich mag sie sehr, aber im nachhinein betrachtet, ist bei mir nie „DER“ Funken geflogen. Der nervige Studienkollege hat von V eine Abfuhr bekommen, obgleich sich die beiden näher waren, als ich ihr jemals kommen könnte. Aber das ist mir egal, ich verspüre nicht den geringsten Hauch von Missgunst oder Eifersucht mehr. V hat privat einiges zu regeln und wir sind uns inzwischen gegenseitig zur moralischen Unterstützung geworden.

Seit Anfang 2016 träume ich regelmäßig, dass ich in einer Konfliktsituation zwischen Angreifer und Angegriffene gehe und dabei erschossen werde. Der Traum endet stets mit einem höllischen Schmerz in der Brust und meinem Erwachen. Ich bin dabei in der Lage, den Traum in meiner Handlung zu beeinflussen, alle anderen verhalten sich IMMER gleich. Lange habe ich nicht gewusst, wen ich da eigentlich beschütze, aber inzwischen kann ich das mit relativer Sicherheit sagen. Ich weiß nur noch nicht, was das bedeutet.

 

Eintrag #105 – 22.01.2016 – ein mächtiger Verbündeter?

„Du bist ein sehr mächtiger Verbündeter“ hat heute jemand zu mir gesagt, der sich sehr genau überlegt, wem er was wie sagt. Ich habe darauf nichts geantwortet. Was soll man zu so einer Aussage auch groß sagen? „Stimmt, ich bin ne geile Sau“?

Was bedeutet es für mich, ein „mächtiger Verbündeter“ zu sein? Werde ich instrumentalisiert? Oder war das nur ein Ausdruck der Wertschätzung mir gegenüber? Ich weiß mittlerweile, dass ich ein sogenannter ESTP bin. Ein Persönlichkeitstyp, der in der Lage ist, Motive und Gedanken schon an kleinen Verhaltensänderungen und Signalen zu erkennen. Ich bin ein überaus berechnender Mensch, mir ist Loyalität und Fairness im weitesten Sinne sehr wichtig. Macht mich das zu diesem „mächtigen“? Oder geht es lediglich um meine Stellung im Studentenhaufen des Semesters?

Ich denke zu viel.

//eindenkender

Eintrag #104 – 19.01.2016 – Prioritäten

Und wieder einmal muss ich Prioritäten setzen. Was setzt was voraus, worauf muss ich achten und was darf ich nicht verlieren?

Ich habe in meinem Semesterjahrgang die Position eines Leittiers. Zwar nicht ganz „konkurrenzlos“, aber trotztdem einflussreich genug, um den ganzen Haufen von knap 15 Leuten geschlossen in eine Richtung zu treiben. Ein kleiner Freundeskreis, mit dem ich mich in der letzten Zeit besonders beschäftigt habe, ist nun durch Dumme Dinge zerbrochen bzw nicht mehr im Stande, sich untereinander auszutauschen. Sie schotten sich ab und das möchte ich natürlich verhindern, nur sollte darunter auf keinen Fall meine Gesamtposition verloren gehen.

Erste Priorität hat daher meine Position im Semesterjahrgang. Ich bin Herr der Lage, Systematischen ausschluss anderer dulde ich nicht und das hat inzwischen jeder Begriffen.

Zweite Priorität haben daher private Befindlichkeiten, über die ich mich sowieso hinweg setzen sollte. Das ist unprofessionell. Wenn sich jmd aus dem zerbrochenen Kreis selbst abschottet, habe ich als Rudelchef immer noch eher die Möglichkeit zu Integrationsmaßnahmen, als anderenfalls.

//eindenkender

 

Eintrag #103 – 02.01.2016 – Traum oder Vision?

Rauch und Nebel hängen tief zwischen den zerstörten Häuserfassaden. Schüsse knallen. Es ist Nacht, Vollmond. Ich renne im Schatten einiger ausgebrannter Autos über die Straße und in einen Hauseingang. Ich halte eine Waffe in der Hand, könnte ein Sturmgewehr sein, aber ich weiß es nicht. Auf dem Rücken schleppe ich einen schweren Rucksack mit allem, was ich besitze. An meinen Beinen baumeln abgenutze Protektoren, trotzdem lahmt mein kaputtes Knie. Ich halte einen Moment still, nachdem ich das Gebäude betreten habe, halte die Luft an und lausche. Nichts.

Ich laufe die Treppe hoch in den ersten Stock. Es stinkt ungeheurlich. Ich steige über mehrere tote Körper, die sich vor noch wenigen Tagen gegenseitig abgeknallt haben müssen. In einem verbluteten Rucksack finde ich Dinge, die ich offensichlich gebrauchen Kann, denn ich packe sie ein. An meiner Hüfte baumelt eine Machete. Ich höre etwas. Sofort reiße ich die Waffe hoch und beobachte durch den Zielapparat das Treppenhaus. Lautlos stehe ich auf und gehe auf die Treppe zu. Schüsse knallen irgendwo unten auf der Straße. Ich blicke auf die Uhr, aber kann keine Uhrzeit ablesen. Ein Traum? Wieder ein Geräusch, ich presse die Lippen zusammen, meine Kiefermuskulatur verkrampft sich und ich laufe langsam mit angelegtem Gewehr auf die Treppe zu. Ein Schuss knallt, jemand Schreit und fällt zu Boden. Ich kenne diese Stimme nicht. Ich gehe langsam die Treppe hoch. Es ist wahnsinnig, was ich mache. Aber ich tu es.

„Nein! Nicht.“ Diese Stimme kenne ich, aber ich kenne keinen Namen dazu. Irgendetwas passiert, ein Zeitsprung in der ganzen Szene. Ich stehe mitten in einem Raum, mir gegenüber steht ein Mensch mit Helm und Pistole, hinter mir steht die Person, deren Stimme ich kenne.
Etwas passiert. Ich spüre den Trigger an meiner linken Hand, ich spüre wie ich Abzieh. Schmerz in meiner Brust, ich spüre, wie mein Herz stolpert, mir bleibt die Luft weg. Lärm. Ein kurzes Brummen neben meinem Ohr, dann wache ich auf. Ich bin klatsch nass. Der Schlafanzug ist komplett durchgeschwitzt und klebt an meiner Haut, wie nach einer Dusche. Die Haare kleben mir im Gesicht. Mein Herz rast, ich atme schwer.

V hat mir eine Nachricht geschrieben, der Vibrationsalarm hat mich Gott sei Dank geweckt.
Ich bin mir nicht sicher, was das war. Nur ein Traum? Gibt es Visionen? Ich habe noch nie etwas so realistisches geträumt. Noch jetzt muss ich mir die Stelle betasten, an der ich gerade noch diesen Schmerz gespürt habe. Alles in Ordnung. Glaube ich. Ich habe keine Herzkrankheiten. Ich hoffe, was ich gerade gesehen habe, war bloß ein Traum. Und bleibt auch einer. Für immer

//eindenkender

Eintrag #102 – 30.12.2015 – Es ist vorbei

Ich habe es geschaft. Die Gefühle sind ein für alle Mal tot. Es hat mich sehr viel Energie gekostet, ich habe über Weihnachten fast 1 Kilo abgenommen, trotz unendlich viel Essen. Aber ich habe es geschafft. Wenn ich an sie denke ist nichts, was noch als „Liebe“ oder „Schwärmerei“ bezeichnet werden kann. Gar nichts. Es ist vorbei. Endlich

//eindenkender

Eintrag #101 – 24.12.2015 – Frohes Fest

Wieder ist Weihnachten. Gestern Abend bin ich in meiner Geburtsstadt aus dem Zug gestiegen und zu dem Haus gelaufen, in dem ich mit meinen Eltern und meinem Bruder bis September diesen Jahres über 20 Jahre lang gelebt habe. Wir haben uns herzlich begrüßt, gefreut, uns wieder zu sehen. Es gab gutes Essen, es war ein schöner Abend. Heute ist Weihnachten. Wir sind gemütlich gestartet, es wird ein schöner und langer Abend werden mit langen Gesprächen. Ich freue mich. Obwohl mein größter Wunsch dieses Jahr nicht mehr in Erfüllung gehen wird. Endlich wieder eine Beziehung, eine Freundin. Meine Eltern wissen davon nichts und müssen davon auch nichts wissen. Sie sind gut mit sich selbst beschäftigt. Ich  bin deswegen nicht traurig. Ich habe mir abgewöhnt, Dingen hinterher zu trauern, die temporär unerreichbar sind.

Heute Abend soll einfach schön sein. Gemütlich. Besinnlich. Anders.

Frohe Weihnachten euch allen und euren Lieben. Feiert schön, lacht mit einander, hört euch zu, genießt die Gesellschaft. Denn es ist nicht selbstverständlich, Gesellschaft zu haben.

//eindenkender